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Handchirurgie bei Kindern mit Fraser Syndrom

· Aktualisiert 14.03.2026 · 15 Min. Lesezeit

Syndaktylie — die Verwachsung von Fingern oder Zehen — gehoert zu den haeufigsten koerperlichen Merkmalen des Fraser-Syndroms und ist eines der diagnostischen Hauptkriterien. Mehr als 60 % der betroffenen Kinder haben verwachsene Finger, oft an beiden Haenden. Was fuer Eltern zunaechst beunruhigend aussieht, laesst sich in den meisten Faellen chirurgisch gut behandeln. Dieser Artikel erklaert, welche Formen der Syndaktylie beim Fraser-Syndrom auftreten, wann operiert wird, wie die Eingriffe ablaufen und was danach an Therapie und Nachsorge wichtig ist.

Syndaktylie beim Fraser-Syndrom

Wie haeufig ist Syndaktylie?

Die Syndaktylie zaehlt zu den diagnostischen Hauptkriterien des Fraser-Syndroms. In einer umfassenden Auswertung von 117 publizierten Faellen fanden Slavotinek und Tifft (2002), dass 61,5 % der Kinder (72 von 117) eine Syndaktylie aufwiesen. Van Haelst und Kollegen (2007) bestaetigten in ihrer Analyse von 59 Faellen, dass die Verwachsung von Fingern und Zehen zu den haeufigsten koerperlichen Merkmalen gehoert — neben Kryptophthalmus (Augenverwachsung) und Nierenfehlbildungen.

Die Syndaktylie kann an den Haenden, den Fuessen oder an beiden auftreten. An den Haenden ist sie chirurgisch besonders relevant, weil die Fingerbeweglichkeit direkt die Greiffunktion und damit die Selbststaendigkeit des Kindes beeinflusst.

Welche Formen gibt es?

Syndaktylie ist nicht gleich Syndaktylie. Die Einteilung erfolgt nach zwei Kriterien — der betroffenen Gewebeschicht und der Ausdehnung:

Klassifikation Beschreibung Beim Fraser-Syndrom
Kutane (einfache) Syndaktylie Nur die Haut und das Weichgewebe sind verwachsen, die Knochen sind getrennt Typische Form beim Fraser-Syndrom
Ossaere (komplexe) Syndaktylie Auch die Knochen oder Gelenke der Finger sind miteinander verbunden Seltener, aber moeglich
Komplette Syndaktylie Die Verwachsung reicht bis zu den Fingerspitzen Erfordert besondere chirurgische Planung
Inkomplette Syndaktylie Die Verwachsung betrifft nur einen Teil der Fingerlaenge Haeufig, oft leichter zu korrigieren

Beim Fraser-Syndrom ueberwiegt die kutane Syndaktylie — also eine reine Hautverwachsung bei getrennten Knochen (Slavotinek & Tifft, 2002). Das ist chirurgisch eine guenstige Ausgangslage, weil die knoecharnen Strukturen bereits angelegt sind und nur die Haut getrennt werden muss. Allerdings sind haeufig mehrere Finger an beiden Haenden betroffen, was mehrere Operationen erfordern kann.

Besonderheiten beim Fraser-Syndrom

Die Syndaktylie beim Fraser-Syndrom unterscheidet sich in einigen Punkten von einer isolierten Syndaktylie, die ohne weitere Begleitfehlbildungen auftritt:

  • Mehrere Finger betroffen: Waehrend bei isolierter Syndaktylie oft nur ein Zwischenfingerraum betroffen ist, koennen beim Fraser-Syndrom mehrere Finger an beiden Haenden verwachsen sein.
  • Begleitfehlbildungen beruecksichtigen: Die Operationsplanung muss die gesamte Situation des Kindes einbeziehen — moegliche Augenoperationen, HNO-Eingriffe oder Nierenprobleme beeinflussen die Narkoseplanung und den Zeitpunkt der Handchirurgie.
  • Seheinschraenkung: Viele Kinder mit Fraser-Syndrom haben gleichzeitig eine Sehbehinderung durch Kryptophthalmus. Wenn das Sehen eingeschraenkt ist, gewinnt die Handfunktion noch groessere Bedeutung: Die Haende werden zum wichtigsten Werkzeug, um die Umwelt zu ertasten und zu begreifen — im woertlichen Sinne.
  • Genetische Ursache: Die gleichen Gene (FRAS1, FREM2, GRIP1), die fuer die Verwachsungen an den Augen verantwortlich sind, verursachen auch die Syndaktylie. Diese Gene steuern die Entwicklung der Basalmembran, einer Gewebeschicht, die normalerweise die Trennung von Koerperstrukturen waehrend der Embryonalentwicklung ermoeglicht.

Der richtige Zeitpunkt fuer die Operation

Allgemeine Empfehlungen

Die Frage, wann operiert werden sollte, gehoert zu den ersten, die Eltern stellen — und die Antwort ist differenzierter, als man vielleicht erwartet. Es gibt kein universell richtiges Alter, aber klare Leitlinien:

  • Fruehester moeglicher Zeitpunkt: Ab etwa 3 bis 6 Monaten sind Syndaktylie-Operationen technisch moeglich. In diesem Alter ist die Hand jedoch noch sehr klein, was den Eingriff anspruchsvoller macht.
  • Empfohlener Zeitraum: Die meisten Handchirurgen empfehlen eine Operation zwischen dem 12. und 18. Lebensmonat. In diesem Alter hat die Hand etwa die Haelfte ihrer Erwachsenengroesse erreicht, die Strukturen sind besser sichtbar, und das Kind beginnt, seine Haende gezielt zum Greifen und Spielen einzusetzen.
  • Aeussere Grenze: Spaetestens im Alter von etwa 24 Monaten sollte die Trennung erfolgt sein, um die motorische Entwicklung nicht zu beeintraechtigen.

Diese Zeitfenster gelten fuer die kutane Syndaktylie, wie sie beim Fraser-Syndrom typisch ist. Bei komplexer ossaerer Syndaktylie oder wenn Flexionskontrakturen vorliegen — also wenn ein Finger durch die Verwachsung in eine Beugestellung gezogen wird —, kann eine fruehere Operation sinnvoll sein (Medscape, 2024).

Welche Finger zuerst?

Wenn mehrere Finger betroffen sind, koennen nicht alle gleichzeitig getrennt werden — denn ein Finger darf nicht von beiden Seiten gleichzeitig operiert werden, um die Blutversorgung nicht zu gefaehrden. Es gilt die Regel:

  • Randfinger zuerst: Die sogenannten Border-Finger — Daumen-Zeigefinger und Ringfinger-Kleinfinger — werden zuerst operiert, weil hier die groessten Groessenunterschiede zwischen den Fingern bestehen. Werden diese Verwachsungen nicht rechtzeitig geloest, kann der laengere Finger den kuerzeren in eine Fehlstellung ziehen.
  • Sequenzielle Operationen: Zwischen zwei Eingriffen am selben Finger sollten mindestens drei Monate liegen, damit die Durchblutung sich erholen kann.
  • Beide Haende gleichzeitig? Bei Saeuglingen unter 12 bis 14 Monaten, die noch nicht laufen und die Haende nicht zum Abstuetzen brauchen, koennen Operationen an beiden Haenden in einer Narkose durchgefuehrt werden. Das reduziert die Gesamtzahl der Narkosen — ein wichtiger Aspekt bei Kindern, die moeglicherweise auch fuer andere Eingriffe narkotisiert werden muessen (Hsu & Stevanovic, 2016).

Besondere Abwaegungen beim Fraser-Syndrom

Bei Kindern mit Fraser-Syndrom spielen zusaetzliche Faktoren in die Operationsplanung hinein:

  • Narkosebelastung: Viele Kinder mit Fraser-Syndrom muessen im ersten Lebensjahr fuer andere Eingriffe in Narkose — etwa Augenoperationen oder Tracheostoma-Versorgung. Die Handchirurgie kann manchmal mit einem anderen Eingriff in einer Narkose kombiniert werden, um die Gesamtbelastung zu reduzieren.
  • Atemwegssicherung: Kinder mit Fraser-Syndrom und Atemwegsfehlbildungen (Larynxstenose, Tracheostoma) benoetigen eine besonders sorgfaeltige anaesthesiologische Planung. Die Narkose fuer die Handoperation muss in enger Abstimmung mit dem Anaesthesie- und HNO-Team erfolgen.
  • Gesamtentwicklung: Der Operationszeitpunkt sollte so gewaehlt werden, dass das Kind moeglichst frueh eine funktionsfaehige Hand hat — besonders wenn das Sehen eingeschraenkt ist und die taktile Wahrnehmung eine zentrale Rolle fuer die Entwicklung spielt.

Chirurgische Techniken

Ziele der Operation

Jede Syndaktylie-Operation verfolgt drei grundlegende Ziele (Hsu & Stevanovic, 2016; Vekris et al., 2013):

  1. Anatomisch normale Zwischenfingerfalte: Die Hautfalte zwischen den Fingern (Kommissur) soll tief genug und breit genug sein, damit die Finger unabhaengig voneinander bewegt werden koennen.
  2. Spannungsfreier Hautverschluss: Nach der Trennung muss genuegend Haut vorhanden sein, um beide Finger vollstaendig zu bedecken — ohne Spannung, die zu Narbenverziehung fuehren wuerde.
  3. Volle Beweglichkeit: Jeder Finger soll nach der Operation seinen vollstaendigen Bewegungsumfang behalten — Beugung, Streckung, Abspreizen und Zusammenfuehren.

Schnittfuehrung und Lappenplastiken

Die Chirurgin oder der Chirurg plant die Schnittfuehrung so, dass aus der vorhandenen Haut moeglichst viel genutzt werden kann, um die getrennten Finger zu bedecken. Die gaengigsten Techniken:

  • Dorsaler Kommissurlappen: Vom Handuecken wird ein rechteckiger oder trapezfoermiger Hautlappen gehoben und in die Tiefe gefaltet, um die neue Zwischenfingerfalte zu bilden. Diese Technik schafft die Grundlage fuer eine natuerlich aussehende, ausreichend tiefe Kommissur.
  • Zickzack-Schnittfuehrung (Bruner-Lappen): Die Haut wird in einem Zickzack-Muster eingeschnitten, sodass dreieckige Lappen entstehen, die ineinander verzahnt werden koennen. Dieses Prinzip verhindert, dass gerade Narben entstehen, die sich bei Wachstum zusammenziehen und die Beweglichkeit einschraenken wuerden.
  • Dorsale und palmare Dreieckslappen: Kleine dreieckige Hautlappen werden von der Hand- und Fingerrueckseite sowie der Handflaeche geloest und so umgeordnet, dass moeglichst viel der eigenen Haut fuer den Verschluss genutzt werden kann.

Die genaue Technik haengt von der Ausdehnung der Verwachsung ab und wird individuell geplant. Bei kompletter Syndaktylie bis zu den Fingerspitzen ist die chirurgische Herausforderung groesser als bei einer inkompletten Form, weil hier auch die Naegel und die Fingerkuppen sorgfaeltig getrennt werden muessen.

Hauttransplantate

Trotz geschickter Lappenplastik reicht die vorhandene Haut in den meisten Faellen nicht aus, um beide getrennten Finger vollstaendig zu bedecken. Fuer die verbleibenden offenen Stellen wird ein Vollhaut-Transplantat (Full-Thickness Skin Graft, FTSG) verwendet — ein duennes Stueck Haut, das von einer anderen Koerperstelle entnommen wird.

Die bevorzugten Entnahmestellen sind:

  • Leistenbeuge: Die Haut ist hier weich und elastisch und hinterlaesst an der Entnahmestelle eine unauffaellige Narbe, die von der Unterwaesche verdeckt wird.
  • Handgelenkinnenseite: Bietet Haut mit aehnlicher Dicke und Beschaffenheit wie die Fingerhaut.

Vollhaut-Transplantate haben gegenueber Spalthaut-Transplantaten den Vorteil, dass sie weniger schrumpfen und elastischer bleiben — ein wichtiger Punkt bei wachsenden Kinderhaenden. Das Transplantat wird auf die offene Stelle gelegt, sorgfaeltig angenaeht und mit einem Druckverband fixiert, damit es gut einheilt.

Neuere Techniken ohne Hauttransplantat

In den letzten Jahren wurden Techniken entwickelt, die ganz ohne Hauttransplantat auskommen. Der Grundgedanke: Durch geschicktere Lappenplanung und Umverteilung der vorhandenen Haut laesst sich die gesamte Wundflaeche mit ortsstaendiger Haut bedecken (Gupta & Lakhiani, 2020).

Die Vorteile dieser Methoden:

  • Keine zweite Operationsstelle (Spenderstelle) noetig
  • Weniger Narbenbildung
  • Kein Risiko des Transplantatverlustes
  • Potenziell bessere Langzeitergebnisse beim Fingerwachstum

Allerdings sind diese Techniken nicht fuer alle Formen der Syndaktylie geeignet — bei kompletter Syndaktylie oder wenn mehrere Finger betroffen sind, bleibt das Hauttransplantat oft die zuverlaessigere Option. Die Entscheidung trifft die Handchirurgin oder der Handchirurg individuell.

Nach der Operation

Verband und Wundversorgung

Nach der Syndaktylie-Trennung wird die Hand in einen speziellen Verband gewickelt, der die getrennten Finger in der gewuenschten Position haelt und die Transplantate schuetzt. Die postoperative Versorgung umfasst:

  • Gipsverband oder Schiene: Fuer etwa 2 bis 3 Wochen traegt das Kind einen Schutzverband, der die Hand ruhigstellt. Bei Saeuglingen und Kleinkindern wird oft ein Oberarmgips angelegt, damit das Kind den Verband nicht selbst entfernt.
  • Erster Verbandswechsel: Nach etwa 10 bis 14 Tagen wird der Verband erstmals gewechselt. Dieser Termin ist wichtig, weil dabei die Einheilung der Transplantate beurteilt wird.
  • Fadenzug: Resorbierbares Nahtmaterial loest sich von selbst auf. Werden nicht-resorbierbare Faeden verwendet, werden diese nach 2 bis 3 Wochen entfernt.
  • Narbenbehandlung: Sobald die Wunden geschlossen sind, beginnt die Narbenbehandlung — mit Silikongel, Silikonpflastern oder Druckhandschuhen, um die Narben weich und flach zu halten.

Moegliche Komplikationen

Wie bei jedem chirurgischen Eingriff koennen auch bei der Syndaktylie-Trennung Komplikationen auftreten. Eltern sollten diese kennen, um fruehzeitig reagieren zu koennen:

  • Transplantatverlust: Das Hauttransplantat kann teilweise oder vollstaendig absterben, wenn sich darunter ein Bluterguss (Haematom) oder eine Fluessigkeitsansammlung (Serom) bildet. Auch wenn das Kind den Verband loest und das Transplantat mechanisch beschaedigt wird, kann es zu Problemen kommen. In den meisten Faellen heilt die Stelle dennoch zu, moeglicherweise mit einer staerkeren Narbe.
  • Wundinfektion: Roetung, Schwellung, Eiterbildung oder Fieber nach der Operation erfordern eine sofortige aerztliche Kontrolle. Infektionen werden mit Antibiotika behandelt.
  • Mazeration: Wenn die Haut zwischen den frisch getrennten Fingern zu feucht bleibt, kann sie aufweichen. Regelmaessige Kontrolle und trockene Wundverhaeltnisse sind daher wichtig.
  • Narbenkontraktur: Narbengewebe zieht sich im Laufe der Zeit zusammen. Bei Kindern, die noch wachsen, kann dies dazu fuehren, dass sich die Finger wieder annaehernd oder in eine Fehlstellung gezogen werden.

Die meisten Komplikationen sind beherrschbar und fuehren nicht zu dauerhaften Einschraenkungen. Wichtig ist, die regelmaessigen Nachsorgetermine einzuhalten und Auffaelligkeiten frueh dem Behandlungsteam mitzuteilen.

Web Creep — wenn die Falte wieder hochrutscht

Eine der haeufigsten Langzeitkomplikationen nach Syndaktylie-Operationen ist das sogenannte Web Creep: Die chirurgisch geschaffene Zwischenfingerfalte wandert im Laufe des Wachstums wieder nach oben (distal), sodass die Finger am Ansatz erneut enger zusammenstehen als gewuenscht.

Die Haeufigkeit von Web Creep wird in der Literatur sehr unterschiedlich angegeben — zwischen 7,5 % und 60 % der operierten Faelle. Risikofaktoren sind:

  • Operation vor dem 18. Lebensmonat
  • Komplexe (ossaere) Syndaktylie
  • Verwendung von Spalthaut- statt Vollhaut-Transplantaten
  • Unzureichende Tiefe der primaeren Kommissurplastik

Etwa jedes dritte Kind benoetigt im Laufe des Wachstums einen Revisionseingriff — also eine erneute Operation, um die Zwischenfingerfalte zu vertiefen oder Narbenstrangge zu loesen. Dieser Eingriff ist in der Regel kleiner als die urspruengliche Operation und kann ambulant durchgefuehrt werden.

Eltern sollten wissen, dass Web Creep keine Folge einer fehlerhaften Operation ist, sondern ein natuerliches Phaenomen des Wachstums. Regelmaessige Nachkontrollen — auch Jahre nach der Operation — helfen, den richtigen Zeitpunkt fuer eine eventuelle Korrektur zu erkennen.

Ergotherapie und Rehabilitation

Greifentwicklung foerdern

Die Operation allein stellt die Handfunktion nicht wieder her — sie schafft die anatomischen Voraussetzungen dafuer. Die eigentliche Arbeit beginnt danach: Das Kind muss lernen, seine frisch getrennten Finger einzeln einzusetzen, Greifmuster zu entwickeln und die Feinmotorik aufzubauen.

Die Ergotherapie ist dabei der wichtigste Baustein. Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten arbeiten mit dem Kind spielerisch an:

  • Grobgriff: Greifen von groesseren Gegenstaenden mit der ganzen Hand — Bausteinen, Baellen, Loeffeln
  • Pinzettengriff: Das Zusammenfuehren von Daumen und Zeigefinger zum praezisen Greifen kleiner Gegenstaende — eine Schluesselkompetenz fuer den Alltag
  • Beidhaeandiges Arbeiten: Koordination beider Haende, zum Beispiel beim Halten und Drehen eines Gegenstandes
  • Kraft und Ausdauer: Kneten, Druecken, Reissen — Uebungen, die die Handmuskulatur kraeftigen
  • Alltagsfertigkeiten: Essen mit Besteck, An- und Ausziehen, Zaehneputzen — angepasst an das Alter und die Faehigkeiten des Kindes

Die Ergotherapie beginnt in der Regel wenige Wochen nach der Operation, sobald der Verband entfernt ist, und kann sich ueber Monate bis Jahre erstrecken. Haeufigkeit und Intensitaet richten sich nach dem Entwicklungsstand des Kindes und dem Operationsergebnis.

Narbenbehandlung

Narben nach Syndaktylie-Operationen benoetigen langfristige Pflege, besonders bei Kindern im Wachstum. Die Ergotherapie umfasst daher auch:

  • Narbenmassage: Regelmaessiges Massieren der Narben mit Fettcreme oder speziellem Narbenoel, um das Gewebe weich und elastisch zu halten. Eltern werden angeleitet, dies taeglich zu Hause durchzufuehren.
  • Silikonprodukte: Silikonpflaster oder Silikongel werden auf die Narben aufgetragen und koennen die Narbenreifung positiv beeinflussen — sie machen die Narben flacher und weicher.
  • Druckhandschuh: Ein massgeschneiderter Kompressionshandschuh uebt gleichmaessigen Druck auf die Narben aus und kann ueberschiessende Narbenbildung (Hypertrophie) reduzieren. Der Handschuh wird in der Regel fuer mehrere Monate getragen, oft Tag und Nacht.
  • Dehnuebungen: Um zu verhindern, dass Narben die Fingerbeweglichkeit einschraenken, werden die Finger regelmaessig sanft gedehnt und durchbewegt.

Wenn auch das Sehen eingeschraenkt ist

Viele Kinder mit Fraser-Syndrom haben neben der Syndaktylie auch eine Sehbehinderung — durch Kryptophthalmus, Mikrophthalmie oder andere Augenfehlbildungen. Diese Kombination stellt besondere Anforderungen an die Rehabilitation:

  • Die Hand als Sinnesorgan: Wenn das Sehen eingeschraenkt ist, uebernimmt der Tastsinn eine zentrale Rolle. Die Haende werden nicht nur zum Greifen gebraucht, sondern auch zum Ertasten und Erkennen von Gegenstaenden, Oberflaechen und Formen. Eine gute Handfunktion ist daher fuer die gesamte Entwicklung noch bedeutsamer.
  • Taktile Fruehfoerderung: Ergotherapie und Fruehfoerderung arbeiten eng zusammen, um die taktile Wahrnehmung zu schulen — mit unterschiedlichen Materialien, Oberflaechen und Temperaturen. Das Kind lernt, seine Haende gezielt als Erkundungswerkzeuge einzusetzen.
  • Gegenstaende erkennen: Blinde oder sehbehinderte Kinder muessen Greifstrategien entwickeln, die sehende Kinder intuitiv lernen. Die Ergotherapie uebt systematisch, wie Gegenstaende ertastet, gedreht und identifiziert werden.
  • Braille-Vorbereitung: Wenn absehbar ist, dass das Kind Brailleschrift lernen wird, ist die Fingersensibilitaet von grosser Bedeutung. Die Ergotherapie kann frueh darauf hinarbeiten, die Fingerspitzensensibilitaet zu foerdern.

Die Rehabilitation nach der Handoperation muss also immer im Kontext der gesamten Situation des Kindes geplant werden. Ein interdisziplinaeres Team aus Ergotherapie, Fruehfoerderung und gegebenenfalls Sehbehindertenpaedagogik arbeitet idealerweise zusammen.

Langzeitbetreuung und weitere Eingriffe

Die Betreuung nach einer Syndaktylie-Operation ist keine kurzfristige Angelegenheit. Die wachsende Kinderhand veraendert sich ueber Jahre, und die Narben wachsen mit — manchmal gut, manchmal weniger gut. Eltern sollten folgende Aspekte kennen:

  • Regelmaessige Nachkontrollen: Mindestens einmal jaehrlich sollte die operierte Hand vom Handchirurgen beurteilt werden — auch wenn keine Beschwerden vorliegen. Besonders waehrend der Wachstumsschuebe (rund um das 5.–7. und 10.–14. Lebensjahr) koennen sich Veraenderungen ergeben.
  • Revisionseingriffe: Wie beschrieben benoetigt etwa jedes dritte Kind einen weiteren Eingriff, meist wegen Web Creep oder Narbenkontraktur. Diese Operationen sind in der Regel kleiner und komplikationsaermer als die Erstoperation.
  • Wachstumskontrolle: Bei ossaerer Syndaktylie oder wenn die Knochen bei der Operation betroffen waren, koennen Wachstumsstoerungen auftreten. Roentgenkontrollen helfen, Schiefstellungen oder Laengendifferenzen frueh zu erkennen.
  • Funktionelle Anpassungen: Mit zunehmendem Alter aendern sich die Anforderungen an die Handfunktion — vom Spielen zum Schreiben, vom Anziehen zum Kochen. Die Ergotherapie kann in verschiedenen Lebensphasen wieder aufgegriffen werden, um neue Fertigkeiten zu trainieren.

Die gute Nachricht: Kinder mit kutaner Syndaktylie, wie sie beim Fraser-Syndrom typisch ist, haben nach gelungener Operation und konsequenter Nachsorge in der Regel eine gute bis sehr gute Handfunktion. Die meisten koennen im Alltag alles tun, was Gleichaltrige auch koennen — manchmal auf einem etwas anderen Weg und mit etwas mehr Uebung.

Kliniken mit Fraser-Syndrom-Erfahrung (historische Referenzen)

Auf der frueheren Website fraser-syndrom.de wurden folgende Kliniken fuer den Bereich Handchirurgie bei Kindern genannt. Diese Angaben stammen aus dem Jahr 2008 und koennen veraltet sein — Aerztenamen, Zustaendigkeiten und Kontaktdaten haben sich moeglicherweise geaendert. Bitte pruefen Sie die aktuellen Informationen direkt bei den Einrichtungen.

Kinderklinik Amsterdamer Strasse, Koeln

2008 wurde Dr. Marathovouniotis an der Kinderklinik Koeln-Riehl (Amsterdamer Str. 59, 50735 Koeln) als Ansprechpartner fuer die handchirurgische Versorgung von Kindern mit Fraser-Syndrom genannt.

Katholisches Kinderkrankenhaus Wilhelmstift, Hamburg

Dr. Habenicht am KKH Wilhelmstift in Hamburg war 2008 ein weiterer Ansprechpartner fuer die Handchirurgie bei Syndaktylie im Kontext des Fraser-Syndroms.

Hinweis fuer Eltern: Syndaktylie-Operationen bei Kindern werden an vielen Universitaetskliniken und spezialisierten Kinderkliniken durchgefuehrt — Sie muessen nicht zwingend eine Klinik mit spezifischer Fraser-Syndrom-Erfahrung aufsuchen. Entscheidend ist die Erfahrung der Handchirurgin oder des Handchirurgen mit Syndaktylie-Korrekturen bei Kleinkindern. Fragen Sie nach der Anzahl der jaehrlich durchgefuehrten Eingriffe und den Langzeitergebnissen. Spezialisierte Handchirurgie-Zentren fuer Kinder gibt es unter anderem an den Universitaetskliniken in Muenchen, Heidelberg, Berlin, Hamburg und Koeln.

Quellen

  1. Gupta, S. & Lakhiani, C. (2020). A new simple technique for syndactyly release without skin grafting. Plastic and Reconstructive Surgery — Global Open, 8(10), e3180. PMC
  2. Hsu, V. M. & Stevanovic, M. V. (2016). Syndactyly release. In: Comprehensive Review in Syndactyly. PMC
  3. Medscape (2024). Syndactyly Treatment & Management. Medscape
  4. Slavotinek, A. M. & Tifft, C. J. (2002). Fraser syndrome and cryptophthalmos: Review of the diagnostic criteria and evidence for phenotypic modules in complex malformation syndromes. Journal of Medical Genetics, 39(9), 623–633. PMC
  5. van Haelst, M. M. et al. (2007). Fraser syndrome: A clinical study of 59 cases and evaluation of diagnostic criteria. American Journal of Medical Genetics Part A, 143A(24), 3194–3203. PubMed
  6. Vekris, M. D. et al. (2013). Syndactyly: Current practice and technique review. World Journal of Orthopedics, 4(3), 121–130. PMC
  7. Washington University School of Medicine / Children's Hospital of Philadelphia (2024). Syndactyly — Frequently Asked Questions. CHOP
  8. Cortez, A. R. et al. (2023). Syndactyly in the pediatric population. Hand Clinics. PMC