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Augenheilkunde und Chirurgie beim Fraser Syndrom

· Aktualisiert 20.03.2026 · 21 Min. Lesezeit

Die Augen sind beim Fraser-Syndrom fast immer betroffen — Kryptophthalmus, also die teilweise oder vollständige Hautbedeckung der Augen, gehört zu den Hauptmerkmalen der Erkrankung. Für betroffene Familien stellen sich viele Fragen: Kann mein Kind sehen? Welche Operationen sind möglich? Was bringt eine Augenprothese? Dieser Artikel erklärt die verschiedenen Formen des Kryptophthalmus, die chirurgischen und nicht-chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten, die Rolle von Augenprothesen und Conformern sowie die Möglichkeiten der Sehförderung — sachlich, aber mit dem Blick darauf, was diese Informationen für den Alltag betroffener Familien bedeuten.

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Kryptophthalmus — was bedeutet das?

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Der Begriff Kryptophthalmus stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „verborgenes Auge". Gemeint ist eine angeborene Fehlbildung, bei der die Haut — meist vom Stirnbereich ausgehend — ganz oder teilweise über das Auge wächst, ohne dass sich normale Lidstrukturen ausbilden. Die Lidspalte fehlt oder ist unvollständig, und das darunterliegende Auge ist häufig ebenfalls fehlgebildet.

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Kryptophthalmus ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Merkmal, das bei verschiedenen Syndromen auftreten kann. Beim Fraser-Syndrom ist er jedoch so häufig und charakteristisch, dass er zu den diagnostischen Hauptkriterien zählt. Die Fehlbildung entsteht bereits in der frühen Embryonalentwicklung, wenn die Genmutationen in FRAS1, FREM2 oder GRIP1 die normale Ausbildung der Augenstrukturen stören.

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Wie häufig sind Augenfehlbildungen beim Fraser-Syndrom?

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Kryptophthalmus tritt bei etwa 88 % aller Menschen mit Fraser-Syndrom auf (Slavotinek & Tifft, 2002). Damit ist er das häufigste einzelne Merkmal der Erkrankung. Er kann einseitig oder beidseitig auftreten — bei vielen Betroffenen sind beide Augen beteiligt, wobei die Ausprägung auf beiden Seiten unterschiedlich stark sein kann.

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Auch bei den verbleibenden 12 % ohne klassischen Kryptophthalmus finden sich häufig andere Augenfehlbildungen wie Mikrophthalmus (ein zu kleines Auge), Kolobome (spaltförmige Defekte der Augenstrukturen) oder Fehlbildungen der Tränenableitung.

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Die drei Formen des Kryptophthalmus

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Kryptophthalmus wird nach dem Ausmaß der Hautbedeckung in drei Formen eingeteilt. Diese Einteilung ist klinisch wichtig, weil sie die chirurgischen Möglichkeiten und die Sehprognose maßgeblich bestimmt.

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FormBeschreibungSehprognose
KomplettDie Haut zieht ununterbrochen von der Stirn bis zur Wange — keine Lidspalte, keine erkennbaren Lidstrukturen, keine Wimpern oder Augenbrauen im betroffenen BereichKeine realistische Chance auf nutzbares Sehvermögen; chirurgische Maßnahmen dienen der kosmetischen Verbesserung
Inkomplett (partiell)Die Hautbedeckung ist unvollständig — meist lateral (seitlich) sind Reste von Lidstrukturen vorhanden; eine teilweise Lidspalte kann erkennbar seinIn ausgewählten Fällen nutzbares Restsehvermögen möglich (bis 20/200); hängt vom Zustand der Hornhaut ab
AbortivDas Oberlid fehlt oder ist rudimentär; die Stirnhaut bedeckt etwa 75 % der Hornhaut; das Unterlid ist häufig vorhandenGenerell eingeschränkte Prognose für Sehvermögen und Kosmetik; Lid- und Fornixrekonstruktion möglich
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Bei beidseitigem Kryptophthalmus können die Formen auf beiden Seiten unterschiedlich ausgeprägt sein — etwa komplett auf einem Auge und inkomplett auf dem anderen. Diese Asymmetrie beeinflusst die chirurgische Strategie erheblich, da für jedes Auge ein individueller Behandlungsplan erstellt werden muss.

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Begleitende Augenfehlbildungen

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Kryptophthalmus tritt beim Fraser-Syndrom selten isoliert auf. Häufig finden sich weitere Veränderungen der Augenstrukturen:

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  • Mikrophthalmus: Das Auge unter der bedeckenden Haut ist zu klein und oft fehlgebildet. Bei komplettem Kryptophthalmus kann das Auge fast völlig fehlen (klinisch nahe an Anophthalmus).
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  • Hornhautveränderungen: Die Hornhaut (Kornea) kann verdickt, getrübt oder mit der darüberliegenden Haut verwachsen sein. Bei inkomplettem Kryptophthalmus kann die Hornhaut keratinisiert (verhornt) sein — ein Zustand, der chirurgisch behandelt werden kann.
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  • Kolobome: Spaltförmige Defekte der Iris, der Netzhaut oder des Sehnervs, die die Sehfunktion zusätzlich beeinträchtigen können.
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  • Störungen der Tränenableitung: Die Tränenwege können fehlgebildet oder verschlossen sein, was nach chirurgischer Eröffnung der Lidspalte zu anhaltender Problematik führen kann.
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  • Fehlende oder unterentwickelte Augenmuskeln: Die Beweglichkeit des Auges kann eingeschränkt sein.
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Das Zusammenspiel dieser Faktoren bestimmt, welche chirurgischen Optionen sinnvoll sind und welches Ergebnis realistischerweise erreichbar ist. Eine sorgfältige Untersuchung aller Augenstrukturen — soweit zugänglich — ist deshalb vor jedem Eingriff unverzichtbar.

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