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Handchirurgie bei Kindern mit Fraser Syndrom

· Aktualisiert 20.03.2026 · 17 Min. Lesezeit

Syndaktylie — die Verwachsung von Fingern oder Zehen — gehoert zu den haeufigsten koerperlichen Merkmalen des Fraser-Syndroms und ist eines der diagnostischen Hauptkriterien. Mehr als 60 % der betroffenen Kinder haben verwachsene Finger, oft an beiden Haenden. Was fuer Eltern zunaechst beunruhigend aussieht, laesst sich in den meisten Faellen chirurgisch gut behandeln. Dieser Artikel erklaert, welche Formen der Syndaktylie beim Fraser-Syndrom auftreten, wann operiert wird, wie die Eingriffe ablaufen und was danach an Therapie und Nachsorge wichtig ist.

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Syndaktylie beim Fraser-Syndrom

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Wie haeufig ist Syndaktylie?

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Die Syndaktylie zaehlt zu den diagnostischen Hauptkriterien des Fraser-Syndroms. In einer umfassenden Auswertung von 117 publizierten Faellen fanden Slavotinek und Tifft (2002), dass 61,5 % der Kinder (72 von 117) eine Syndaktylie aufwiesen. Van Haelst und Kollegen (2007) bestaetigten in ihrer Analyse von 59 Faellen, dass die Verwachsung von Fingern und Zehen zu den haeufigsten koerperlichen Merkmalen gehoert — neben Kryptophthalmus (Augenverwachsung) und Nierenfehlbildungen.

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Die Syndaktylie kann an den Haenden, den Fuessen oder an beiden auftreten. An den Haenden ist sie chirurgisch besonders relevant, weil die Fingerbeweglichkeit direkt die Greiffunktion und damit die Selbststaendigkeit des Kindes beeinflusst.

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Welche Formen gibt es?

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Syndaktylie ist nicht gleich Syndaktylie. Die Einteilung erfolgt nach zwei Kriterien — der betroffenen Gewebeschicht und der Ausdehnung:

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KlassifikationBeschreibungBeim Fraser-Syndrom
Kutane (einfache) SyndaktylieNur die Haut und das Weichgewebe sind verwachsen, die Knochen sind getrenntTypische Form beim Fraser-Syndrom
Ossaere (komplexe) SyndaktylieAuch die Knochen oder Gelenke der Finger sind miteinander verbundenSeltener, aber moeglich
Komplette SyndaktylieDie Verwachsung reicht bis zu den FingerspitzenErfordert besondere chirurgische Planung
Inkomplette SyndaktylieDie Verwachsung betrifft nur einen Teil der FingerlaengeHaeufig, oft leichter zu korrigieren
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Beim Fraser-Syndrom ueberwiegt die kutane Syndaktylie — also eine reine Hautverwachsung bei getrennten Knochen (Slavotinek & Tifft, 2002). Das ist chirurgisch eine guenstige Ausgangslage, weil die knoecharnen Strukturen bereits angelegt sind und nur die Haut getrennt werden muss. Allerdings sind haeufig mehrere Finger an beiden Haenden betroffen, was mehrere Operationen erfordern kann.

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Besonderheiten beim Fraser-Syndrom

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Die Syndaktylie beim Fraser-Syndrom unterscheidet sich in einigen Punkten von einer isolierten Syndaktylie, die ohne weitere Begleitfehlbildungen auftritt:

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  • Mehrere Finger betroffen: Waehrend bei isolierter Syndaktylie oft nur ein Zwischenfingerraum betroffen ist, koennen beim Fraser-Syndrom mehrere Finger an beiden Haenden verwachsen sein.
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  • Begleitfehlbildungen beruecksichtigen: Die Operationsplanung muss die gesamte Situation des Kindes einbeziehen — moegliche Augenoperationen, HNO-Eingriffe oder Nierenprobleme beeinflussen die Narkoseplanung und den Zeitpunkt der Handchirurgie.
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  • Seheinschraenkung: Viele Kinder mit Fraser-Syndrom haben gleichzeitig eine Sehbehinderung durch Kryptophthalmus. Wenn das Sehen eingeschraenkt ist, gewinnt die Handfunktion noch groessere Bedeutung: Die Haende werden zum wichtigsten Werkzeug, um die Umwelt zu ertasten und zu begreifen — im woertlichen Sinne.
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  • Genetische Ursache: Die gleichen Gene (FRAS1, FREM2, GRIP1), die fuer die Verwachsungen an den Augen verantwortlich sind, verursachen auch die Syndaktylie. Diese Gene steuern die Entwicklung der Basalmembran, einer Gewebeschicht, die normalerweise die Trennung von Koerperstrukturen waehrend der Embryonalentwicklung ermoeglicht.
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