Fraser-Syndrom

Fehlbildungen beim Fraser-Syndrom: Ein Überblick

· Aktualisiert 15.03.2026 · 13 Min. Lesezeit

Medizinischer Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Fragen zur Gesundheit deines Kindes wende dich bitte an eine Fachärztin oder einen Facharzt. Die Informationen spiegeln den Stand der medizinischen Literatur zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wider und können sich durch neue Erkenntnisse ändern.

Das Fraser-Syndrom (auch Fraser Syndrom oder Kryptophthalmus-Syndaktylie-Syndrom genannt) ist eine seltene angeborene Erkrankung, die viele verschiedene Körperregionen betreffen kann — aber fast nie alle gleichzeitig. Zwei Kinder mit Fraser-Syndrom sehen sich oft wenig ähnlich: Das eine Kind hat ausgeprägte Augenveränderungen und verwachsene Finger, das andere fällt durch Nierenfehlbildungen und Ohrveränderungen auf, während die Augen völlig unauffällig sind. Dieses Muster aus Gemeinsamkeiten und Unterschieden ist typisch für das Fraser-Syndrom.

Diese Variabilität ist kein Zufall — sie ergibt sich aus der Biologie der Erkrankung. Die drei beteiligten Gene (FRAS1, FREM2 und GRIP1) liefern Baupläne für Eiweißstoffe, die in der frühen Embryonalentwicklung dafür sorgen, dass sich Gewebeschichten korrekt herausbilden und zusammenhalten. Welche Körperregionen betroffen sind, hängt davon ab, wo genau diese Prozesse gestört waren — und das unterscheidet sich von Kind zu Kind, selbst wenn dieselbe Genmutation vorliegt (Pham et al., 2025; van Haelst et al., 2007).

Diese Seite gibt einen Überblick über alle Körperbereiche, die beim Fraser-Syndrom betroffen sein können — und erklärt jeweils, wie häufig das vorkommt, was es bedeutet und was es nicht bedeutet.

Augen: Kryptophthalmus und weitere Augenfehlbildungen

Die bekannteste und häufigste Veränderung beim Fraser-Syndrom betrifft die Augen. Der Fachbegriff lautet Kryptophthalmus — aus dem Griechischen: „verborgenes Auge". Dabei fehlen die Augenlider oder sind mit der Augenoberfläche verwachsen, sodass die Haut ununterbrochen von der Stirn über den Bereich des Auges bis zur Wange verläuft, ohne dass eine Lidspalte sichtbar ist. Das Auge dahinter kann vorhanden, aber stark beeinträchtigt oder kaum funktionsfähig sein.

Nach der bislang größten klinischen Studie tritt Kryptophthalmus bei 87 bis 93 Prozent der Kinder mit Fraser-Syndrom auf (van Haelst et al., 2007). Er kann einseitig oder beidseitig vorkommen, und er zeigt verschiedene Ausprägungsgrade: Beim vollständigen Kryptophthalmus bedeckt die Haut das gesamte Auge. Beim partiellen Kryptophthalmus ist nur ein Teil des Lids betroffen. Eine mildere Variante ist der abortive Kryptophthalmus (auch „rudimentärer Kryptophthalmus" genannt), bei dem zwar Lidkanten vorhanden sind, aber Lid und Bindehaut miteinander verwachsen sind — ein Zustand, der als Symblepharon (griechisch: zusammengewachsenes Lid) bezeichnet wird.

Zusätzlich zum Kryptophthalmus selbst können der Augapfel verkleinert sein (Mikrophthalmie — abnorm kleines Auge) oder ganz fehlen (Anophthalmie — angeborenes Fehlen eines oder beider Augäpfel). Fehlbildungen der Tränenwege gelten als charakteristisches Merkmal des Fraser-Syndroms und sind in der internationalen Referenzdatenbank für genetische Erkrankungen entsprechend dokumentiert (Online Mendelian Inheritance in Man [OMIM], 2024a). In manchen Fällen sind die Augen äußerlich unauffällig, zeigen aber innere Veränderungen wie eine Fehlbildung der Regenbogenhaut (Iris) oder der Linse.

Ein wichtiger Hinweis: Kryptophthalmus ist das häufigste, aber kein zwingendes Merkmal des Fraser-Syndroms. Es gibt Kinder, bei denen die Augen vollständig unauffällig sind und die Diagnose über andere Merkmale gestellt wird (Slavotinek & Tifft, 2002).