Schwangerschaft & Genetik

Genetik des Fraser Syndroms

· Aktualisiert 15.03.2026 · 17 Min. Lesezeit

Warum entsteht das Fraser-Syndrom? Die Antwort liegt in den Genen — genauer gesagt in drei Genen, die gemeinsam dafür sorgen, dass während der embryonalen Entwicklung Haut, Augen, Nieren und Gliedmaßen ihre richtige Form erhalten. Wenn beide Elternteile eine veränderte Kopie eines dieser Gene tragen, kann ihr Kind betroffen sein. Dieser Artikel erklärt die genetischen Grundlagen des Fraser-Syndroms: welche Gene beteiligt sind, wie die zugehörigen Proteine zusammenarbeiten, was bei einem Defekt passiert — und was das für die Familienplanung bedeutet.

Der Erbgang — autosomal-rezessiv

Das Fraser-Syndrom wird autosomal-rezessiv vererbt. Um zu verstehen, was das bedeutet, ist ein kurzer Ausflug in die Grundlagen der Genetik hilfreich.

Jeder Mensch besitzt von jedem Gen zwei Kopien — eine von der Mutter, eine vom Vater. „Autosomal" bedeutet, dass das betroffene Gen nicht auf den Geschlechtschromosomen (X oder Y) liegt, sondern auf einem der 22 Autosomen. Die Erkrankung betrifft Jungen und Mädchen gleichermaßen. „Rezessiv" bedeutet, dass beide Genkopien verändert (mutiert) sein müssen, damit die Erkrankung auftritt. Eine einzige funktionierende Kopie reicht aus, um genügend intaktes Protein herzustellen.

Menschen, die nur eine veränderte Genkopie tragen, sind Träger (Fachbegriff: heterozygot). Sie sind selbst vollkommen gesund und haben keinerlei Symptome. Erst wenn zwei Träger gemeinsam Kinder bekommen, besteht bei jeder Schwangerschaft eine Wahrscheinlichkeit von 25 %, dass das Kind beide veränderten Kopien erbt und damit betroffen ist.

Da das Fraser-Syndrom sehr selten ist (die Häufigkeit wird auf etwa 1:200.000 Geburten geschätzt), treffen zwei Träger desselben veränderten Gens im Alltag nur selten aufeinander. Die Wahrscheinlichkeit steigt jedoch deutlich, wenn die Eltern miteinander verwandt sind — etwa bei Ehen zwischen Cousins. Tatsächlich findet sich in vielen beschriebenen Fraser-Syndrom-Familien eine Blutsverwandtschaft der Eltern (Konsanguinität), was den autosomal-rezessiven Erbgang unterstreicht (van Haelst et al., 2007).