Fraser-Syndrom

Beschreibung & Diagnose des Fraser-Syndroms

· Aktualisiert 15.03.2026 · 13 Min. Lesezeit

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Das Fraser-Syndrom ist eine seltene angeborene Erkrankung, die verschiedene Organsysteme gleichzeitig betreffen kann — von den Augen über die Nieren bis hin zu den Atemwegen. Keine zwei betroffene Kinder sind identisch: Die Ausprägung reicht von milden Veränderungen bis hin zu lebensbedrohlichen Fehlbildungen. Wer verstehen möchte, wie die Diagnose gestellt wird und was dabei untersucht wird, findet auf dieser Seite einen Überblick über Merkmale, Diagnosekriterien und diagnostische Wege.

Klinische Merkmale: Was kann beim Fraser-Syndrom auftreten?

Das Fraser-Syndrom gehört zu den sogenannten Fehlbildungssyndromen — das bedeutet, mehrere Körperbereiche sind gleichzeitig betroffen. Welche Merkmale im Einzelfall auftreten und wie stark sie ausgeprägt sind, ist sehr unterschiedlich.

Das auffälligste Merkmal ist der Kryptophthalmus (griechisch: verborgenes Auge), bei dem die Haut kontinuierlich von der Stirn über das Augenlid bis zur Wange verläuft, ohne dass eine Lidspalte erkennbar ist. Er tritt bei 87 bis 93 Prozent der betroffenen Kinder auf und kann ein- oder beidseitig vorkommen. Dabei gibt es verschiedene Ausprägungsgrade: Beim vollständigen Kryptophthalmus bedeckt die Haut den Augapfel komplett; beim partiellen Kryptophthalmus ist nur ein Teil des Lids betroffen. Eine mildere Variante ist der abortive Kryptophthalmus, bei dem die Lidkanten fehlen oder Lid und Augapfel-Bindehaut miteinander verwachsen sind (sogenanntes Symblepharon). Nicht selten sind auch die Tränenwege nicht vollständig angelegt. Zusätzlich können der Augapfel selbst verkleinert (Mikrophthalmie) oder gar nicht angelegt sein (Anophthalmie).

Ein wichtiger Hinweis für Eltern: Der Kryptophthalmus ist zwar das häufigste Merkmal, aber er muss nicht vorhanden sein, damit ein Fraser-Syndrom vorliegt. Es gibt Kinder, bei denen die Augen unauffällig sind und die Diagnose über andere Merkmale gestellt wird.

Das zweithäufigste Merkmal ist die Syndaktylie (Verwachsung von Fingern oder Zehen durch Haut), die bei 54 bis 88 Prozent der Kinder vorkommt. Sie kann Hände, Füße oder beides betreffen.

Fehlbildungen der Harnwege und Nieren treten bei etwa 37 bis 55 Prozent der Betroffenen auf. Am häufigsten ist die Nierenagenesie, also das vollständige Fehlen einer oder beider Nieren. Weitere Varianten sind eine unterentwickelte Niere (Hypoplasie), eine Harnblasenatresie (nicht angelegter Blasenausgang) oder Fehlbildungen der Harnleiter. Bei Mädchen können zusätzlich eine Vaginalatresie (verschlossene Scheide), eine doppelt angelegte Gebärmutter (Uterus bicornis) oder ein Hydrometrokolpos (Flüssigkeitsansammlung in Gebärmutter und Scheide) auftreten. Bei Jungen kommen Kryptorchismus (nicht abgestiegene Hoden), Hypospadie (Fehlmündung der Harnröhre) oder ein verkleinerter Penis vor.

Fehlbildungen der Ohren sind ebenfalls häufig: Bei 44 bis 59 Prozent der Betroffenen finden sich dysplastische Ohrmuscheln oder Fehlbildungen des Mittelohrs, die zu einer Schallleitungsschwerhörigkeit führen können. Auch Fehlbildungen der Nase — etwa eine gespaltene Nasenspitze oder nicht vollständig ausgeformte Nasenflügel — treten bei etwa einem Drittel der Kinder auf.

Zu den ernsteren, weil unmittelbar lebensbedrohlichen Merkmalen zählen Fehlbildungen des Kehlkopfs und der Luftröhre. Eine Larynxatresie (vollständig verschlossener Kehlkopf) oder Larynxstenose (verengter Kehlkopf) kann dazu führen, dass das Kind nach der Geburt nicht atmen kann. Wenn die Obstruktion so ausgeprägt ist, dass bereits im Mutterleib die Atemwege vollständig blockiert sind, spricht man von CHAOS (Congenital High Airway Obstruction Syndrome, auf Deutsch: angeborenes Syndrom der hochgradigen Atemwegsobstruktion). Diese Situation erfordert unmittelbar nach — oder sogar noch während — der Geburt einen chirurgischen Eingriff.

Weitere Merkmale, die auftreten können, sind Fehlbildungen im Bereich des Afters (z. B. imperforierter Anus — fehlende Öffnung des Afters — bei etwa 29 Prozent), ein Hypertelorismus (weit auseinanderstehende Augen), eine abnorme Haargrenze, Defekte in der Schädelknochenstruktur sowie Fehlbildungen des Bauchnabels. Herzfehler wurden ebenfalls beschrieben, gehören aber nicht zu den typischen Diagnosekriterien. Kognitive Einschränkungen sind beim Fraser-Syndrom selten und gelten nach aktuellem Forschungsstand nicht als charakteristisches Merkmal der Erkrankung.